Er kann wieder gehen!    Die Wunder der schwäbischen Gastwirtschaft Hessersbeck   (DIE ZEIT 04.04.2012)

DIE ZEIT, 4. April 2012

Er kann wieder gehen!
Die Wunder der schwäbischen Gastwirtschaft Hessersbeck

Nur einen Ort gibt es auf dieser Welt, den ich in loser, jedoch schöner Regelmäßigkeit aufsuche, um den Zudringlichkeiten der verwalteten Welt zu entfliehen: den Hessersbeck in meiner Heimatstadt Heilbronn. Auch wenn das Schild überm Eingang die alte Weinwirtschaft noch immer stur als Kernerhöhe ausweist, so ist sie doch allen nur unter ersterer Bezeichnung bekannt. Weil 1919, als das Lokal eröffnete, dort auch gebacken wurde. Es liegt auf einer Anhöhe über der alten Winzerstadt, dahinter endet das Leben - da kommt nur noch der Hauptfriedhof. Heimat ist da, wo man in Ruhe gelassen wird. Wer hier sitzt, tut nichts anderes. Mag die Globalisierung da draußen auch noch so toben - im Geviert des kärglichen Schankraums ist seit Adenauer alles gleich geblieben. Jenseits vom Tresen hat sich eine weitgehend eigenständige Zeitrechnung etabliert, in der das Dezennium als kleinste Recheneinheit gilt. Entschleunigung ist nicht vonnöten, man hat ja schon bei der Beschleunigung der Welt kaum mitgemacht. Der Hessersbeck ist ein Zeitfenster zum Drinsitzen. Die Küche offeriert ein niedrigschwelliges Nahrungsangebot, dessen Höhepunkt der schwäbische Rostbraten bildet. Frau Helga, die mildtätige Kellnerin, reicht dazu einen blutroten Lemberger im Viertelesglas mit Henkel — alles andere wäre überkandidelt. Ist das Glas leer, füllt es sich auf wundersame Weise wieder. Gleich vorne links über Tisch eins, an dem ausschließlich routinierte Regressionstrinker geduldet sind, wird in einem Fotoschrein des Altwirtes Heinz Hesser gedacht. Früher, heißt es, habe er sich drüben, auf dem Friedhof, unter Trauergemeinschaften gemischt, um sie dann wie zufällig in sein Lokal zu lotsen. Vor ein paar Jahren wurde er selbst nach gegenüber geschafft, gefolgt von seiner Gattin Helene. Nun verwaltet Erbwirt Lothar Hesser, der sich seinen Ruf als Original zäh erarbeitet hat, mit einem Fluidum aus edler Einfalt und stiller Größe das Institut. Wenn nicht bis zur Ewigkeit, so doch mindestens bis zur Sperrstunde, wenn auch der letzte Gast gefragt wird, ob er eigentlich keine Bleibe habe oder gar »dem Bettschonerverein« angehöre. Es sind nicht die großen, spektakulären, eher die kleinen, ganz alltäglichen Wunder, die der Kneipe ein Air außerweltlicher Gebenedeitheit verleihen. Erst neulich konnte ein stark rotgesichtiger Herr, der zuvor über Stunden hinweg an seinen Stuhl gefesselt schien, ganz plötzlich wieder gehen — wenn auch nur stark schwankend. Aber immerhin.     OLIVER MARIA SCHMITT

... ganz Spezielles

Juni 2008
Nachdem im Juni 2008 das Sitzen auf den Nachkriegsmöbeln der Außenterrasse durch ungehemmten Wuchs der Buchenhecke nahezu unmöglich wurde, konnte durch eine gemeinsame Aktion der Stammgäste durch Einsatz mitgebrachter Haushaltsscheren dem Leid abgeholfen werden.

im August 2008
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... Kontakt

Gaststätte Kernerhöhe
Am Hauptfriedhof
Wollhausstraße 111
74074 Heilbronn
Tel.: 07131 177284
Fax: gibt's koins !